Hallo Sportfreunde,
am letzten Sonnabend war es wieder soweit: "Store Styrkepröven" ("Die
große Kraftprobe") stand an. Und das Radrennen von Trondheim nach Oslo
(540km) hat seinem Namen alle Ehre gemacht.
Seit dem Abend, an dem uns feucht fröhliche Geselligkeit und der
Gedanken an die Unzerstörbarkeit unser jugendlichen Psyche und Physe zur
Teilnahme an einem der härtesten Langstreckenrennen in Europa trieben,
sind wir ca. 8000km auf den Rädern gefahren. Wir haben unzählige
Kniebeuge gemacht und damit unseren Körpern das eiserne Siegel
aufgedrückt, mit welchem man ohne Angst und gut gelaunt zu einem solchen
Rennen anreisen kann.
Wir uns 8.56Uhr beim Start eingefunden. 3...2...1 und dann hieß es
Rock'n'Roll. Die Stimmung im Team war gut und auch trocken. Zu
mindestens die ersten 5km, dann fing es an zu regnen. Wolken voraus und
keine Besserung in Sicht. Das Wasser kam von überall. Oft von oben, aber
immer vom Vordermann. Das einzig positive aus diesem Teil des Rennens
waren unsere Schutzbleche. Unsere Hintern waren die einzigen trockenen
Stellen unserer Körper und damit der warme Kern (bei 13°C Außentemp.).
Nach 120km waren wir durchgefroren bis auf die Knochen. Unsere Sprache
war nur noch jämmerliches Stottern und Schalten, geschweige denn Bremsen
war so gut wie unmöglich. Eine ernsthafte Krisensitzung zum Thema
Rennabbruch bei der ersten Versorgungsstation war die logische
Konsequenz. Da es nun in die Berge ging und die Gefahr einer ernsthaften
Unterkühlung bestand, hatten wir beschlossen auf den nächsten 3km eine
Entscheidung zutreffen. Wir waren inzwischen von der wasserspeihenden
Gruppe getrennt und zogen allein weiter. Der Lenker schlotterte in den
Händen und Kommunikation war nicht möglich. Doch dann schienen die
literweise verschlungen Becher heißer Brühe zu wirken. Am nächsten
Anstieg wurde wieder ordentlich geheizt und dann konnten wir auch noch
blauen Himmel über dem Bergplateau entdecken. Es lässt sich nicht
beschreiben, wie die Stimmung innerhalb von 10 Minuten umschlug. Die
Körpertemperatur wieder über 30°C und Sonne vorraus ging es den Berg
hoch und nach 165km hatten wir den höchsten Punkt des Rennens erreicht.
Die Fahrt über das Plateau erfolgte bei strahlend blauen Himmel, vorbei
an schneebedeckten Bergen. Ja Leute, dass ist Radsport! "Nur wer durch
die Dunkelheit gegangen ist, kann das Licht am Ende des Tunnels sehen".
Auf der Abfahrt gab es leichten Gegenwind und wir arbeiteten wir uns ans
Peleton heran und sind mit diesem bis Dombas gefahren.Für uns begann an
dieser Stelle einer der schönsten Abschnitte des Rennens. Die Abfahrt
zieht sich über etwa 120km und wir hatten für den ersten Teil eine
norwegisches Team gefunden, mit dem wir sehr gut harmonierten. Die Fahrt
ging durch ein tolles Tal entlang von eines (be-)rauschenden Flusses.
Später wurden wir nach einem kurzem Stopp vom Hauptfeld "überrollt", mit
dem wir bis zum Kilometer 330 rollten.
Die Fahrt im Feld (ca. 150 Fahrer) wurde immer unruhiger und auch müder.
Keiner wollte ernsthaft arbeiten und so entschlossen wir uns, uns vor
den Wagen zu spannen. Zu unserer Überraschung haben sich nur 2 weitere
Fahrer dazu entschlossen unser Tempo mit zu gehen und somit waren wir
schnell wieder allein. Ich weiß nicht was Giga an dieser Stelle in
seinem Essen hatte, aber es muss krasses Zeug gewesen. Von nun an bekam
die Fahrt einen Renncharakter. Wir sammelten einen Fahrer nach dem
anderem ein und teilten uns die Führungsarbeit. Unsere Renntaktik,
schien sich also auszuzahlen. Hin und wieder musste Giga "Cancellara"
auch mal in seinem Tour Kopfkino gebremst werden.
Inzwischen wurde es Abend und in unserem Köpfen wurde es immer schwerer
die verbleibenden Kilometer schön zu reden. Noch 140km. Das war
eigentlich nicht viel, aber in Anbetracht der Tatsache, dass es sich
hierbei um die letzten 140km von 540km handelt war es schon noch ein
ganz schönes Stück. Gigas Rausch endete bei Kilometer 500, als er
meinte, dass es jetzt langsam schwer wird. Diese Aussage erleichterte
mich zum einen irgendwie, zum anderen sah ich noch beängstigend auf die
verbleibende Strecke von "Krottorf nach Magdeburg-Zentrum". Aber wer
soweit gekommen ist, den erschüttern auch keine 40km mehr.
Bei km 520 ging die Sonne wieder auf und Nebel lag über den Seen. Leider
waren die Adern die das Romatikzentrum versorgten gerade nicht
durchblutet. Im Körper herrschte der Ausnahmezustand. Es wurde alles
mobilisiert, was nur irgenwie zu Energie verwendet werden konnte. Nach
18 Stunden und 50 Minuten (17h 33min reine Fahrzeit = 31km/h) sind wir
dann endlich angekommen.
"Bevor man Grenzen überschreitet, kann man sie erstmal ein ganzes Stück
weit verschieben!".
Team Wheels of Fire
Grafik-und Werbestudio Krottorf
